Das Leben der Hühner in der Landwirtschaft | Veganuary

Das Leben der Hühner in der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft wird zwischen zwei Arten von Hühnern unterschieden: Hennen, die zur Eiproduktion gehalten werden und Hühner, die Fleisch liefern sollen. Sie alle müssen unter teils katastrophalen Bedingungen leben und sind im Hinblick auf Schlachtzahlen alljährlich traurige Rekordhalter.


a chicken called gloria

Hühner in der mast

Allein im Jahr 2020 wurden in Deutschland mehr als 620 Millionen Hühner geschlachtet, die zuvor für ihr Fleisch gemästet wurden. Damit machen sie über 80 Prozent der landlebenden Tiere aus, die für den menschlichen Konsum getötet wurden.

Bis zu ihrem Tod müssen sie viel Leid ertragen: Hühner, die für ihr Fleisch gehalten werden, sind so gezüchtet, dass sie innerhalb kürzester Zeit sehr groß werden, um möglichst viel davon zu liefern. Ihre Knochen können ihr Gewicht kaum tragen. Viele von ihnen können nicht richtig stehen und liegen die meiste Zeit auf dem mit Exkrementen verdreckten Boden, wodurch sie Hautentzündungen bekommen. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind üblich, weil das Herz der Hühner ihren massiven Körper kaum mehr ausreichend versorgen kann.

Weil der Profit im Vordergrund steht, rückt die Gesundheit der Tiere in den Hintergrund. Denn aus landwirtschaftlicher Sicht ist es nicht notwendig, dass die Hühner ein langes und gesundes Leben führen können: Sie werden teils schon mit 28, in den meisten Fällen jedoch spätestens mit 42 Lebenstagen geschlachtet. Dann haben sie ein durchschnittliches Körpergewicht von 2,7 Kilo.

So sieht es in vielen Mastbetrieben aus, in denen Hühner leben:

Von fröhlichen jungen Küken zu lethargischen, kranken und sterbenden Vögeln in nur wenigen Wochen.

Hennen in der Eierindustrie

In Deutschland leben mehr als 45 Millionen Hennen, die für ihre Eier gehalten werden. Im Unterschied zu den Hühnern in der Mast sind sie nicht sehr groß. Stattdessen wurden sie darauf gezüchtet, möglichst viele Eier zu legen. Es gibt drei hauptsächliche Systeme, in denen die Hennen leben können: Die Käfighaltung in Kleingruppenkäfigen, die Bodenhaltung sowie die Freilandhaltung. Hinzu kommt die Bio-Haltung, die den Hennen ähnliche Bedingungen wie die Freilandhaltung bietet.

Kleingruppenkäfige

In Deutschland haben die Kleingruppenkäfige die sogenannten Legebatterien abgelöst, nachdem diese verboten wurden. Für die Hennen, die in diesem Haltungssystem leben müssen, hat sich dennoch nicht viel gebessert: Während sie früher 500 cm² Platz hatten – weniger als ein DIN A4-Blatt –, sind es nun 800 cm² pro Tier. Das ist nur etwas mehr als ein DIN A4-Blatt.

Obwohl der Name vielleicht etwas anderes vermuten lässt, können in einem sogenannten Kleingruppenkäfig bis zu 60 Hennen leben. In dieser Enge finden ihre natürlichen Bedürfnisse kaum Berücksichtigung. Weil die Hennen bereits geschlechtsreif sind, um Eier legen zu können, fechten sie eine Hackordnung aus. Die untergeordneten Tiere sind jedoch kaum in der Lage, den übergeordneten aus dem Weg zu gehen und so kann es schnell zu Auseinandersetzungen kommen, bei denen sich die Hennen verletzen. Auch die Sitzstangen, die in Kleingruppenkäfigen vorgeschrieben sind, sind so für die schwächeren Hennen kaum nutzbar.

Wie ihre Verwandten in der Mast sind auch die Hennen in der Eierindustrie überzüchtet: Sie legen bis zu 300 Eier im Jahr. Möglich ist dies nur mithilfe künstlicher Beleuchtung, damit die Tiere unabhängig von der Jahreszeit ganzjährig Eier legen. Das zehrt sehr an ihrem Körper und sobald sie zu schwach werden, um weiterhin Hochleistung zu bringen, werden sie geschlachtet – meist mit etwa zwölf bis 15 Lebensmonaten.

So ähnlich wie diese britischen Artgenossen leben auch die Hennen in deutschen Kleingruppenkäfigen:

Bodenhaltung

Der Großteil der Hennen, die in Deutschland für ihre Eier gehalten werden, lebt in Bodenhaltung – etwa 65 Prozent. Sie müssen zwar nicht in Käfigen ausharren, aber die Besatzdichte ist dennoch sehr hoch: Bis zu 6.000 Hennen kann eine Gruppe fassen. Sie leben in großen Hallen, in denen sich durchschnittlich neun Hennen einen Quadratmeter teilen müssen. Die Nester, also die Plätze, die sie zur Ei-Ablage nutzen können, sind noch wesentlich überfüllter: Rund 120 Hennen müssen sich einen Quadratmeter Nestfläche teilen. Wie ihre Artgenossen in den Kleingruppenkäfigen haben auch die Hennen in Bodenhaltung keinen Zugang nach draußen.

Freilandhaltung

Die Freilandhaltung ist in den allermeisten Fällen leider nicht so idyllisch, wie sie sich zunächst anhören mag. Die Hennen picken nicht in kleinen Grüppchen auf einem grünen Hof, stattdessen ähnelt ihr Leben stark dem der Hennen in Bodenhaltung. Auch Freiland-Hennen leben in großen Hallen, sie haben aber einen – oft zeitlich eingegrenzten – Zugang zu einem Auslauf. Wenn dieser nicht huhngerecht gestaltet ist – also ein paar Unterschlüpfe und Versteckmöglichkeiten bietet – trauen sie sich jedoch kaum, ihn zu nutzen. Weil Hühner territorial sind und ihr Revier verteidigen, haben schwächere Hennen, die weit unten in der Hackordnung stehen, oft Probleme überhaupt an ihren stärkeren Artgenossen vorbei nach draußen zu kommen.

So ähnlich wie diese britischen Artgenossen leben auch die Freiland-Hennen in Deutschland:

Bio-Haltung

Die Hennen in Bio-Haltung leben unter sehr ähnlichen Umständen wie Hennen in Freilandhaltung. Sie haben etwas mehr Platz, sodass sich durchschnittlich sechs Hennen einen Quadratmeter teilen müssen – in Freilandhaltung sind es neun. Ihre Gruppen sind insgesamt nicht ganz so groß wie die der Freilandhennen. Sie können bis zu 6.000 statt bis zu 9.000 Tiere umfassen. Viel huhngerechter ist das nicht, denn Hühner leben am liebsten in kleinen Gruppen von fünf bis 20 Hennen und einem Hahn sowie ein paar Junghähnen zusammen. Und da auch ihr Lebensumfeld dasselbe ist wie in der Freilandhaltung, kann die Bio-Haltung ihren natürlichen Bedürfnissen in den allermeisten Fällen genauso wenig gerecht werden.

Jedes System verursacht Leid

Unabhängig vom System, in dem sie leben, leiden alle Hennen, die in der Eierindustrie gehalten werden. Die Tiere werden durch selektive Zucht und Haltungsbedingungen so manipuliert, dass sie möglichst viele Eier legen: etwa 300 pro Henne und Jahr. All diese Eier brauchen eine Schale – und Schalen bestehen aus Kalzium. Dieses Mineral wird den Knochen der Hennen entzogen, sodass sie sehr anfällig für Bein- und Flügelbrüche sind. Das ist ein Preis, den die Industrie für reichlich Eier zu zahlen bereit ist.

Die Enge und die Haltungsbedingungen, in denen die Hennen leben müssen, verursachen großen Stress. Zusätzlich leiden sie unter Langeweile, weil sie ihren natürlichen Bedürfnissen wie Scharren, Picken und der Nahrungssuche nicht nachkommen können. Das führt dazu, dass sie sich gegenseitig bepicken und so schlimme Verletzungen zufügen. Lange Zeit war es deshalb Gang und Gebe, ihnen schon als junge Küken die Spitzen ihrer Schnäbel zu entfernen – ein gravierender und schmerzhafter Eingriff, der sie an die widrigen Haltungssysteme anpassen sollte. Im Jahr 2016 hat sich die Eierindustrie mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft darauf verständigt, auf dieses Schnabelkürzen zu verzichten. Zwar bleibt den Hennen in Deutschland dieser folgenschwere Eingriff nun erspart, an dem eigentlichen Problem ändert das aber nichts, weil sie sich aufgrund ihrer Lebensbedingungen weiterhin gegenseitig verletzen.

Die ungewollten Küken

Durch selektive Zucht hat die Eierindustrie es geschafft, ihre Hennen auf Hochleistung zu züchten. Mit Körpern, die zwar krank und gebrechlich sind, aber eine Rekordzahl von Eiern produzieren – und nach einem viel zu kurzen Leben einfach ersetzt werden können. Ein Naturgesetzt hat die Zucht aber nicht aushebeln können: Die Hennen bekommen nicht nur weiblichen Nachwuchs. Etwa die Hälfte der Küken, die in den Brütereien das Licht der Welt erblicken, ist männlich – das sind circa 45 Millionen Tiere pro Jahr. Und diese sieht die Industrie schlicht als unprofitabel an: Sie können keine Eier legen, bleiben aber wie ihre Mütter ein Leben lang klein und zierlich. Kein Vergleich zu ihren Artgenossen, die in der Mast leben. Weil sie uns Menschen also weder Eier noch Fleisch liefern können, müssen sie nach dem Schlupf sterben, indem sie zerhäckselt oder vergast werden.

Dieses Kükentöten wird in der Öffentlichkeit seit langer Zeit stark diskutiert, auch in der Politik. Viele angekündigte Verbesserungen sind aber vor allem Augenwischerei: Erst ab 2022 soll das Kükentöten illegal sein – falls das Gesetzt in Kraft tritt. Und statt das System im Ganzen zu hinterfragen und grundlegend zu ändern, wird die Praktik einfach durch eine andere tierwidrige Methode ersetz: Die Geschlechterbestimmung im Ei soll es den Brütereien ermöglichen, Hühnerembryonen als männlich oder weiblich auszuweisen, sobald sie neun Tage bebrütet wurden und wachsen konnten. Zu diesem Zeitpunkt können aber auch die Embryonen im Ei schon Schmerzen empfinden. Wenn zukünftig bebrütete Eier aussortiert und vernichtet werden, verlagert sich Leid und Angst also einfach von den frischgeschlüpften auf die ungeschlüpften Küken.

factory farmed chicken being carried
Foto: Jo-Anne McArthur | We Animals

Der letzte weg

Egal, ob Huhn aus der Mast oder Küken und Henne in der Eierindustrie: Alle Tiere in der Landwirtschaft führen ein kurzes Leben, das weit hinter ihrer natürlichen Lebenserwartung zurückbleibt. Schnell kommt der Zeitpunkt, an dem sie aus den Käfigen und Hallen geholt und in die Schlachtbetriebe gebracht werden. Teils werden sie per Hand gefangen, wobei sie sich häufig ihre Hüften auskugeln und Knochenbrüche zuziehen. Andere Betriebe nutzen Maschinen, die die Tiere auf Laufbänder schieben, die sie in Transportkisten fallen lassen. Beide Methoden sind so beängstigend, dass die Tiere in Panik geraten und sich im Gedränge oft gegenseitig verletzen oder qualvoll ersticken.

Die Überlebenden müssen anschließend den beängstigenden und leidvollen Transport in übereinandergestapelten Boxen antreten. Dieser kann Stunden und Tage dauern. Für innerdeutsche Transporte soll die Dauer zwar auf acht Stunden begrenzt sein, tatsächlich gibt es aber viele Ausnahmeregelungen. Außerdem werden viele Tiere auch in andere EU-Länder oder sogar Drittstaaten exportiert – für diese Langstreckentransporte gibt es keine konkret festgelegten Zeitbegrenzungen.

In den Schlachtbetrieben angekommen, sollen die Hühner zunächst betäubt werden. Eine gängige Methode in Deutschland ist dafür die Betäubung mit Gas, die ein schreckliches Erstickungsgefühl verursachen kann. Stimmt das Verhältnis des Gasgemischs nicht oder sind es zu viele Tiere, die es gleichzeitig einatmen sollen, kann es zudem sein, dass einzelne Hühner nicht ausreichend betäubt sind.

Häufig werden die Hühner auch zu allererst an ihren teils gebrochenen oder ausgekugelten Beinen befestigt und so kopfüber an Transportbändern zu unter Strom gesetzten Wasserbädern gefahren. Diese sollen sie zur Betäubung mit ihrem Kopf durchlaufen. Viele Hühner, die zum Beispiel zu klein sind oder ihren Rumpf in dem Moment nach oben strecken, bleiben aber unbetäubt.

Bei beiden Methoden sind einige Tiere also bei vollem Bewusstsein, wenn sie die nächste Station erreichen, an denen ihre Kehlen mechanisch durchtrennt werden. Anschließend bluten sie qualvoll aus.

Es gibt keinen humanen Weg, Hühner industriell zu halten. Und auch nicht, sie zu töten.

Intelligent, sozial und fürsorglich

Hühner sind starke Persönlichkeiten: Sie sind aktiv, neugierig und lieben es, ihre Umgebung zu erkunden und auf dem Boden nach Nahrung zu scharren. Sie baden gerne im Staub und putzen sich, um Haut und Gefieder in Topform zu halten. Und sie lieben es, sich auf der Seite liegend mit ausgebreiteten Flügeln und geschlossenen Augen zu sonnen.

Sobald sie geschlüpft sind, sind sie in der Lage, ihre Geschwister zu erkennen. Und wenn ihnen die Möglichkeit geboten wird, bleiben sie ein Leben lang zusammen. Hühner sind überaus soziale Tiere und bilden starke Freundschaften. Die riesigen Herdengrößen in der industriellen Tierhaltung sind für sie unnatürlich und stressig.

Mütter, die ihre Kinder besonders behüten, nennen wir umgangssprachlich „Glucke“. Das kommt daher, dass Hennen ganz fantastische und fürsorgliche Mütter sind: Die Bindung zu ihren Jungen ist so stark, dass sie schon vor dem Schlupf der Küken beginnt. Die Henne kommuniziert bereits mit den Embryonen – die ihr aus dem Ei heraus piepsend antworten.

Schau, wie gut sich diese Henne um ihre Küken sorgt:


Quellen und weitere Infos:

Alber Schweitzer Stiftung: Legehennen in der Massentierhaltung
Albert Schweitzer Stiftung: Masthühner in der Massentierhaltung
Statistisches Bundesamt: Tiere und tierische Erzeugung
Statistisches Bundesamt: Geflügelschlachtereien, Geschlachtete Tiere, Schlachtmenge
Albert Schweitzer Stiftung: Schlachtzahlen 2020: fast 4 Mio. Tiere weniger
Albert Schweitzer Stiftung: Das Schnabelkürzverbot allein ist unzureichend
Deutscher Tierschutzbund e. V.: Manipulationen an Tieren
Albert Schweitzer Stiftung: Schein-Erfolg: Klöckners Gesetz zum Kükentöten
Albert Schweitzer Stiftung: Tiertransporte: Zahlen und Fakten
G. Martin, H.H. Sambraus und A. Steiger: Das Wohlergehen von Legehennen in Europa – Berichte, Analysen und Schlussfolgerungen
Susanne Gura im Kritischen Agrarbericht: Das Tierzucht-Monopoly – ein Update
Bernhard Hörning im Kritischen Agrarbericht: Stark belastet – Intensive Haltungsformen und mögliche Folgen für die Gesundheit der Tiere
Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung 




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