Das Leben der Rinder in der Mast

Wie wir Menschen können auch Kühe eine Vielzahl von Emotionen zeigen und ganz unterschiedliche Persönlichkeiten haben – manche sind verspielt, frech und aufgeschlossen, andere eher sensibel, nachdenklich und zurückhaltend. Sie alle können Glück empfinden und buchstäblich Luftsprünge machen, wenn sie sich freuen. Leider ist das in den industriellen Mastbetrieben aber nur selten der Fall.

Cattle cow farming
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Das natürliche leben in der Herde

Soziale Interaktion ist für Kühe extrem wichtig, sie bilden enge und dauerhafte Beziehungen mit den anderen Tieren in ihrer Herde. In Freiheit unternehmen die Rinder alles zusammen – sie grasen gemeinsam und teilen ihr Futter.

Für die weiblichen Tiere ist die engste und stärkste Bindung die zu ihrem Kalb. Kurz vor der Geburt entfernen sie sich von ihrer Herde, um ihre Ruhe zu haben. Dieses Bedürfnis haben auch die trächtigen Kühe in der landwirtschaftlichen Tierhaltung, doch in den allermeisten Fällen haben sie nicht die Möglichkeit, ihm nachzukommen. Erst wenn eine wildlebende Kuh und ihr Kalb bereit sind, kehren sie nach der Geburt zu ihrer Herde zurück – dann stellt das Muttertier den anderen Tieren ihren Nachwuchs vor.

Ein Kalb wird mindestens ein Jahr lang von seiner Mutter gesäugt. Mutter und Kind können ihr ganzes Leben lang in derselben Herde verbringen – auch wenn der Nachwuchs älter wird, bricht die enge Bindung zwischen ihnen nie ganz ab.

In der landwirtschaftlichen Rindermast sieht die Realität leider ganz anders aus. Die Kälber verbringen die erste Zeit ihres Lebens in Einzelboxen – ohne Kontakt zu ihrer Mutter oder Gleichaltrigen. Eine Haltung in Gruppen ist erst vorgeschrieben, wenn die Kälbchen zwei Monate alt sind. Doch auch dann gibt es Ausnahmeregelungen für beispielsweise kleinere Betriebe mit wenig Platzangebot.

Stacheln statt muttermilch

Die weiblichen Tiere in den Mastbetrieben sollen jedes Jahr ein Kälbchen auf die Welt bringen, das dann ebenfalls für sein Fleisch gemästet wird. Aus wirtschaftlichen Gründen halten manche Betriebe ältere und jüngere Tiere wie Kälbchen zusammen. Doch auch bei diesen Haltungsbedingungen wollen sie verhindern, dass Kälber an die Milch ihrer Mütter oder anderer Kühe kommen. Denn eine Kuh soll zum schnellstmöglich wieder künstlich besamt und trächtig werden – dafür muss das Kälbchen aber zuerst entwöhnt werden.

Um diese Entwöhnung voranzutreiben, wird den Kälbern ein mit Stacheln besetzter Ring in die Nase geklemmt oder – je nach Modell – sogar gestochen. Diese sogenannten „Saugentwöhner“ sorgen dafür, dass die Stacheln der Kuh bei jedem Saugversuch ins Euter stechen. Die verursachten Schmerzen bringen die Mutter dazu, ihr Kalb wegzustoßen, sobald dieses an die Milch möchte. Eine verwirrende und frustrierende Situation für die beiden. Eine andere Variante soll zugleich einen „Lerneffekt“ für das Kalb mit sich bringen: Hier sind die Stacheln nach innen gerichtet und bohren sich dem Kalb bei jedem Saugversuch in die empfindliche Nase.

Nach etwa 14 Tagen, in denen das Kalb nicht mehr bei seiner Mutter saugen durfte, wird es ihr dann schließlich gänzlich weggenommen.

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Schmerzhafte eingriffe

In ihren ersten Lebenswochen müssen viele Kälber schmerzhafte Eingriffe über sich ergehen lassen, die sie an die Haltungsbedingungen in den Betrieben anpassen sollen.

Enthornung

Allein in Deutschland werden pro Jahr 1,5 Millionen Kälbern die Hornanlagen ausgebrannt, noch bevor sie sechs Wochen alt sind. Obwohl dort Blut- und Nervenbahnen verlaufen, müssen die Kälbchen bei diesem Eingriff nicht betäubt sein. Durch die Enthornung soll sichergestellt sein, dass die Tiere sich in der Enge der Betriebe später nicht gegenseitig mit ihren Hörnern verletzen – oder die Menschen, die in Mast- und Schlachtbetrieben arbeiten. Dabei wäre es sinnvoller und tiergerechter, die Haltungsbedingungen den natürlichen Bedürfnissen der Kühe anzupassen und nicht umgekehrt.

Das Farm Animal Welfare Education Center an der School of Veterinary Science der Universität Barcelona listet verschiedenste Hinweise dafür auf, dass solche Eingriffe Schmerzen bei den Kälbern verursachen. Dazu gehören zum Beispiel Verhaltensweisen und Reaktionen wie Kopfschütteln, Treten, Kratzen, eine beschleunigte Atmung und eine erhöhte Herzfrequenz.

Dabei dienen die Hörner den Tieren keineswegs nur zum Schutz: Sie sind wichtige Instrumente zur Kommunikation. Ein Schwenk mit dem gehörnten Kopf in die eine oder andere Richtung kann anderen Tieren etwa deutlich machen, bitte auf Abstand zu bleiben. Und nicht nur das: Vielleicht hast du schon mal bemerkt, dass Kühe in südlicheren Regionen längere Hörner haben als in nördlicheren, kühleren Gegenden. Aus gutem Grund: Die Hörner sind zugleich die Klimaanlage einer Kuh. Ist es dem Tier zu heiß, kann der Körper über das Horn die Wärme ableiten. So schützen die Hörner vor allem das Gehirn vor Überhitzung.

Kastration

Die männlichen Kälber werden mit nur wenigen Wochen kastriert. Kastrierte Bullen gelten in der Landwirtschaft einerseits als besser händelbar, andererseits soll sich der veränderte Hormonspiegel auch auf das Fleisch der Tiere auswirken.

Eine gängige Methode für die Kastration ist eine Quetschung der Samenstränge, bei der diese etwa eine Minute mit einer Zange zusammengedrückt und so nachhaltig verletzt werden. Bei diesem schmerzhaften Eingriff sind die Kälbchen meist nicht älter als vier Wochen und müssen auch dafür nicht betäubt sein.

Wenig Zeit auf der Weide

Die wenigsten Kühe verbringen ihr Leben mit Artgenossen auf der Weide. Laut Statistischem Bundesamt haben haben nur etwa 35 Prozent der Rinder aus Mastbetrieben Zugang zu einer Weide. Und selbst die Tiere mit Weidegang verbringen je nach Jahreszeit und Witterung viele Monate in den überfüllten Ställen. Dabei sind Kühe Herdentiere und Wiederkäuer, die gemeinsam herumlaufen und grasen wollen.

Die Schlachtung

Wenn die Rinder ein bestimmtes Gewicht erreicht haben, werden sie für ihr Fleisch geschlachtet. Dann sind viele von ihnen nur ein bis zwei Jahre alt.

Bevor die Tiere durch einen Stich in den Hals verbluten, müssen sie betäubt werden. Das kann durch einen Bolzenschuss oder einen Stromschlag im Kopfbereich passieren. Doch dabei sind Betäubungsfehler – zum Beispiel durch falsch angesetzte Bolzenschussgeräte oder zu schwache Stromschläge – keineswegs ausgeschlossen. Diese können aufgrund der stressigen Arbeitsbedingungen in den Schlachthäusern schnell unbemerkt bleiben, sodass die Tiere anschließend bei Bewusstsein sind, wenn sie kopfüber aufgehängt verbluten.

Pflanzliche Alternativen

Wir Menschen haben die Wahl, ob wir zu all dem beitragen möchten oder nicht. Wir sind nicht auf Rindfleisch in unserer Ernährung angewiesen und können mittlerweile auf unzählige pflanzliche Alternativen zurückgreifen, wenn wir Lust auf etwas Deftiges haben. Unsere Produktliste zeigt, wie vielfältig und lecker das vegane Angebot ist.

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