Evanna Lynchs herzzerreißende Einblicke in die Massentierhaltung

Evanna Lynchs traurige Einblicke in die Massentierhaltung

Evanna Lynch, Schauspielerin, vegane Aktivistin und Veganuary-Botschafterin, besuchte mit Aktivisten von VFC eine Hühnerfarm in Großbritannien. Ein typischer Mastbetrieb, wie er auch hundertfach in Deutschland zu finden ist. Dies sind ihre Erfahrungen.


Achtung: Das Video enthält teils verstörende Bilder.

Es ist ein Uhr nachts und ich bin meilenweit von meinem Bett entfernt. Ich kauere hinter einer Wand aus Bäumen in einem pechschwarzen Wald. Neben mir drei Männer mit Masken, die sich kaum hörbar unterhalten, während wir darauf warten, einen Mastbetrieb für Hühner anschauen zu können. Nicht meine übliche Abendaktivität an einem Samstag und erst recht nicht die, die ich mir für meinen ersten Ausflug nach den ganzen Beschränkungen aufgrund der grassierenden Pandemie vorgestellt hätte.

Ich kann nicht anders, als an all die Dinge zu denken, die ich in diesem Moment lieber tun würde: schlafen, ein Buch lesen, meine Katze streicheln… Oder Filmmaterial über Mastbetriebe ansehen und den Leuten aus sicherer, bequemer Entfernung erzählen, wie schrecklich sie sind – also so ziemlich alles, außer tatsächlich selbst einen zu betreten. Aber ich bin hier, weil ich davon überzeugt bin, dass sie zu den schlimmsten Orten gehören, die es gibt. Und weil es mir schwerfällt zu glauben, dass sie überhaupt noch existieren dürfen. Wenn man die ruhigen Landstraßen entlangfährt und sich wundert, wie hell die Sterne abseits aller Städte strahlen können, würde man nie auf die Idee kommen, dass 200.000 empfindungsfähige Wesen nur wenige Meter entfernt ein Leben in unendlicher Qual führen. Man würde die frische, kühle Nachtluft einatmen und sich einreden, dass die modernen Tierhaltungsbetriebe humane, friedliche Orte unter freiem Himmel sind. Netterweise hat die industrielle Landwirtschaft, die wir für die Tötung der Tiere bezahlen, es uns schließlich einfach gemacht, auf diesen Trugschluss hineinzufallen.

Als VFC mich also einlud, einmal hinter die verschlossenen Stalltüren zu schauen und die Lebensbedingungen der Hühner in den Mastbetrieben mit eigenen Augen zu sehen, war ich mir eigentlich sicher, dass es nicht so schlimm sein würde wie die Bilder aus verdeckten Ermittlungen und Dokumentarfilmen, die sich für immer in mein Gehirn gebrannt hatten. Aber ich fühlte mich verpflichtet, selbst nachzusehen.

Chickens crammed in a factory facility

Mark, ein hauptberuflicher Ermittler und Experte für Vorschriften und Routinen in der Massentierhaltung, gibt uns ein Signal: Die Luft ist rein. Er winkt uns zu, damit wir ihm aus dem Wald zu einer der Hallen folgen. Er selbst hat in diesem Betrieb schon ermittelt und wartet diesmal draußen, um Schmiere zu stehen. Bewaffnet ist er mit einem Walkie-Talkie und einer kühlen Gelassenheit, die man sich offenbar nur aneignen kann, wenn man jahrelang durch die so ziemlich stressigsten Orte dieser Welt schleicht. Das ganze Jahr über ist er nachts in solchen industriellen Tierbetrieben unterwegs, um die entsetzlichen Bedingungen aufzudecken, unter denen die Tiere leben müssen. Später frage ich ihn, ob sich seine Eltern deswegen oft um ihn sorgen. Er erzählt mir, dass seine Familie seine Arbeit nicht gutheißt und dass es leichter ist, einfach nicht mit ihnen darüber sprechen. Sie finden seine Ansichten zu radikal, seinen Beruf zu extrem. Aber die Realität, die er aufdeckt, ist nicht extrem – sie ist der Industriestandard.

Vor der Halle überreicht Matthew – der Gründer von Veganuary und VFC und Organisator dieses Ausflugs – mir und Chris, unserem Kameramann, blaue Schutzanzüge und Schuhüberzieher. Aus hygienischen Gründen: „Lebensmittelsicherheitsvorschriften, um die Hühner sauber zu halten“, erklärt er. Ich höre einen Hauch von Ironie in seiner Stimme und sobald die Tür aufgestoßen wird, verstehe ich, warum.

British chicken farm

Beim Anblick der 25.000 Hühner, die unter einem Dach zusammengepfercht sind, halten wir kurz inne. Es ist überwältigend. Es ist pures Chaos. So viele Körper dichtgedrängt auf engstem Raum, ohne Kisten, ohne Boxen, ohne Schutz. Ohne Chance auf einen Moment der Ruhe, eine kurze Atempause von dieser unvorstellbaren Hektik, die abertausende verängstigte, gackernde, aufeinander herumtrampelnde Hühner verursachen. Es ist unmöglich, sich vorzustellen, dass jeder dieser weiß gefiederten Körper ein Individuum ist. Nur, wenn man genau hinsieht, erkennt man sie. Neben meinem Fuß pickt ein kleines Huhn eifrig an meinem Schuh herum – offenbar ohne die Gefahr zu bemerken, die von meiner Art ausgeht. Ein anderes versucht, seine Flügelfedern zu putzen, während seine Unterseite völlig mit Kot verschmutzt ist. Vielleicht die traurigste Zurschaustellung von Optimismus, die ich das ganze Jahr über gesehen habe… Ich denke an meine Katze, die sich mit der gleichen gewissenhaften Präzision putzt. Und daran, wie sehr ich mich davor gefürchtet habe, sie einmal über Nacht in der Obhut eines Freundes zu lassen. Es ist seltsam, wie sehr wir Tiere mit warmem Fell und wohligem Schnurren in unser Herz schließen und versuchen, sie glücklich zu machen, während wir gleichzeitig kein Problem damit haben, die verzweifelten Schreie derer mit Federn hinter den Mauern von Mastbetrieben auszublenden.

„So viele Körper dichtgedrängt auf engstem Raum, ohne Kisten, ohne Boxen, ohne Schutz. Ohne Chance auf einen Moment der Ruhe, eine kurze Atempause von dieser unvorstellbaren Hektik, die abertausende verängstigte, gackernde, aufeinander herumtrampelnde Hühner verursachen.“

Es gibt etwas, das ich wohl versäumt habe, den anderen im Team zu sagen: Ich bin ziemlich zart besaitet. Ich komme mit toten Tieren nicht gut klar. Schon als Kind, lange bevor ich den Vegetarismus oder Veganismus entdeckte, brachte mich die Fleischabteilung im Supermarkt zum Weinen. Ich zucke zusammen, als ich ein Huhn entdecke, das auf dem Rücken liegt: die Haut rot und federlos vom Ammoniak der Exkremente, in denen es wochenlang gelegen hat, der Atem nur noch röchelnd und unregelmäßig. Das Tier ist Stunden vom Tod entfernt, vielleicht auch nur Augenblicke. Matthew fordert mich auf, mich dem Huhn zu nähern und ihm auf die Beine zu helfen – aber ich habe Angst vor den nässenden Wunden, dem Ausdruck unendlichen Leids in seinem Blick. Also bleibe ich zurück und beobachte stattdessen, wie er das Tier vorsichtig auf die Vorderseite dreht und versucht, ihm hochzuhelfen. Das Huhn wirkt wenig motiviert, wieder aufzustehen – es hat das Leben wohl in dem Moment aufgegeben, als es kollabierte und rückwärts in den ammoniakgetränkten Staub zu seinen Füßen fiel. Wer würde das nicht? „Das Huhn wird wahrscheinlich in ein paar Minuten wieder umfallen und liegen bleiben“, sagt Matthew und erklärt, dass die Tiere aufgrund der extremen Zucht viel zu schnell wachsen und ihre Beine biologisch gar nicht dazu in der Lage sind, ihre unnatürliche Masse zu tragen. Wir lassen das Huhn zurück, wissend, dass es am Morgen tot sein wird – lässig in den Müll geworfen, nur eine Zahl in der Statistik, ein Leben in sinnlosem, unbemerktem Leid.

Evanna Lynch and Matthew Glover

Ich will einfach nur noch ans Ende dieser Halle und zur Tür hinaus. Dorthin, wo wir etwas gegen das Leid unternehmen können und wo wir diesen armen, todgeweihten Kreaturen nicht ins Gesicht sehen müssen. Ich schlurfe ein paar Schritte vorwärts zwischen den aufgeregten Hühnern hindurch, die sich umeinander drängeln. Alle paar Meter verstreuen sie sich, um den Blick auf noch mehr Tod freizugeben und mit jedem meiner Schritte erscheinen mir die Anblicke grausamer. Selbst Matthew findet es schwer zu ertragen: „Das ist ekelhaft“, sagt er und zeigt auf einen Hühnerkadaver, der auf dem Boden liegt und bereits flachgetreten wurde. Wie ein anatomisches Diagramm eines Huhns, das man auf einem Poster in der Tierarztpraxis sehen könnte. „Das ist wie in einem Horrorfilm“.

Ich schließe für einen Moment die Augen und versuche mich zu sammeln, während ich inmitten all dieser toten und sterbenden Tiere stehe. Ich fühle mich völlig verloren – es ist dasselbe aussichtslose Gefühl, das man empfindet, wenn man drei Jahre alt ist, seine Mutter in einem riesigen Supermarkt aus den Augen verliert und panisch wird. Diese unumstößliche Gewissheit, dass man zu klein ist, um in dieser Welt zurechtzukommen und dass man niemals allein den Weg zurück findet. Wie haben wir dieses Chaos geschaffen? Wie können wir so tun, als wäre alles in Ordnung? Wie können wir sagen: „Zeig mir das nicht, du ruinierst mir mein Hühnerfilet“, wenn dein Filet sechs unendliche Wochen in der Hölle verbracht hat, nur damit du direkt nach dem Abendessen schon wieder vergisst, dass du überhaupt eins gegessen hast?

Es gibt Dinge, bei denen wir als Erwachsene einfach nicht wegschauen dürfen. Ich öffne die Augen und zwinge mich, hinzusehen. Matthew zeigt auf drei Hühner, die ein anderes kannibalisieren, das völlig aufgegeben hat. Seine papierdünnen Augenlider blinzeln in Zeitlupe, es blickt direkt zur Decke hinauf, als würde es durch sie hindurch die majestätische Sternendecke sehen können, während die anderen an den blutigen Wunden picken. Ich frage mich, ob dieses unendlich leidende Tier weiß, dass bald alles friedlich sein und es keine Schmerzen mehr geben wird…

„Ich frage mich, ob dieses unendlich leidende Tier weiß, dass bald alles friedlich sein und es keine Schmerzen mehr geben wird…“

„Okay, ich glaube, ich habe genug“, sage ich zu Matthew und Chris, nachdem ich einige Zeit durch das Elend gelaufen bin und versucht habe, nicht auf die deformierten Füße der herumliegenden Vögel zu treten – als ob das einen Unterschied machen würde. Sie nicken grimmig und sagen, dass sie später nachkommen. Sie werden sich noch eine Weile umschauen, um mehr versteckte Existenzen voller Leid und Schmerz mit ihrer Kamera einzufangen. Indem sie sie dokumentieren und andere Erwachsene zwingen, einen Blick darauf zu werfen, wollen sie das Leben und den Tod dieser Tiere weniger sinnlos machen.

Sobald ich die Tür der Halle hinter mir schließe, erlaube ich mir einen Seufzer der Erleichterung. Ich ziehe den unangenehmen blauen Schutzanzug aus und unfreiwillig muss ich lachen, als ich mich daran erinnere, dass wir den aus Sorge um die Sauberkeit der Tiere getragen haben. Um sicherzugehen, dass wir die mit Exkrementen verdreckten und krankheitsverseuchten Hühner nicht verunreinigen… Schließlich sollen sie noch zur Ernährung der Nation aufgetischt werden.

Ich atme die wohltuende frische Nachtluft ein, doch die Erleichterung, die ich empfinde, wird durch Schuldgefühle gedämpft. Ich bin frei, all den Schmerz hinter einer schweren, schalldichten Tür zurückzulassen, doch die Tiere sind es nicht. Dabei haben sie überhaupt nichts getan, mit dem sie diese gefühllose, systematische Grausamkeit verdient hätten.

A dead chicken in a factory farm

Gemeinsam mit dem Team stapfe ich schließlich schweigend durch den Wald zurück. Ich schaue zu den Sternen hinauf – ich werde die Sterne immer bewundern, egal in welcher Situation – aber ich denke daran, wie unfair es ist, dass all diese Tiere leiden und in der Dunkelheit sterben müssen. Es ist unfair, dass wir sie weiterhin einem Leben in unendlichem Elend aussetzen, nur um sie zu essen, obwohl wir mittlerweile so viele verschiedenen köstliche Alternativen haben. Es ist unfair, dass wir nichts ändern, obwohl wir es besser wissen. Und es ist unfair, dass es in diesem weiten, friedlichen Himmel mehr Sterne in der Milchstraße als Hühner in Mastbetrieben gibt, aber die Tiere sie nie zu sehen bekommen werden.

Um vier Uhr morgens kehren wir in das Hotel zurück, in dem wir übernachten. Ich schalte mein Handy ein, auf dem zwischenzeitlich elf verpasste Anrufe und eine Flut panischer Textnachrichten von meiner Mutter eingegangen sind. Ich wusste, dass ich ihr besser nichts von diesem speziellen Ausflug hätte erzählen sollen. Ich schreibe zurück, versichere ihr, dass es mir gut geht – sage ihr, dass sie albern ist und dass man durch Sorgen nur doppelt leidet. Und dass es schon viel zu viel unnötiges Leid auf dieser Welt gibt. Mir geht es gut, ich bin in Sicherheit, ich war nie in Gefahr – drei ausgewachsene Männer wären mir zu Hilfe gekommen, hätte ich mir auch nur meinen Zeh angestoßen. Aber niemand rettet diese Hühner. Niemand weiß von ihrem Leid und ihren Schmerzen. Niemand kennt sie als mehr als nur eine Zahl in einer Statistik. Niemand macht sich Gedanken darüber, dass all diese kleinen Wesen in Lebensgefahr sind und niemand hört die verzweifelten Schreie, die sie an jedem Tag ihres kurzen, brutalen Lebens ausstoßen.

„Es ist unfair, dass wir sie weiterhin einem Leben in unendlichem Elend aussetzen, nur um sie zu essen, obwohl wir mittlerweile so viele verschiedenen köstliche Alternativen haben. Es ist unfair, dass wir nichts ändern, obwohl wir es besser wissen.“

Und niemand hört die Alarmglocken, die die Gefahren ankündigen. Gefahren, die auf uns zukommen, wenn wir weiterhin zulassen, dass diese Orte der Massentierhaltung existieren. Gefahren wie die H5N1-Vogelgrippe, die in solchen Betrieben entstanden ist und eine Sterblichkeitsrate von 60 Prozent hat. Gefahren wie die Tatsache, dass die industrielle Tierhaltung im letzten Jahrzehnt die meisten neuen Infektionskrankheiten beim Menschen verursacht hat. Gefahren wie die Abholzung der Wälder, weil wir jedes Jahr 3,3 Millionen Tonnen Soja importieren, von denen 60 Prozent in die Geflügelindustrie gehen. Gefahren wie die Zerstörung lokaler Artenvielfalt durch industrielle Tierbetriebe, die umliegende Gewässer verschmutzen. Gefahren, die Zehntausende zusammengepferchter Tiere mit sich bringen, die nur durch den massiven Einsatz von Antibiotika überleben und die ein ernsthaftes Pandemierisiko darstellen – in einem System, das mehr Ressourcen verbraucht als es schafft, das die Abholzung und den Klimawandel vorantreibt. Und das alles für ein Produkt, das wir nicht brauchen.

„Niemand macht sich Gedanken darüber, dass all diese kleinen Wesen in Lebensgefahr sind und niemand hört die verzweifelten Schreie, die sie an jedem Tag ihres kurzen, brutalen Lebens ausstoßen.“

Ich lege mich in mein unberührtes, weißbezogenes Hotelbett und bete, dass wir dieses kaputte System bald abschaffen. Ich denke an die Hühner, denen ich begegnet bin. Sie sind schon lange tot, während ich diesen Text schreibe. Ihre Nachfolger sind tot. Die Nachfolger der Nachfolger sind tot. In der Dunkelheit meines Hotelzimmers flüstere ich ihnen zu, dass es mir leidtut. Aber ich weiß, dass meine Worte bedeutungslos sind. Mit jedem Tag, an dem wir zulassen, dass die Massentierhaltung weiterhin besteht, verraten wir diese Tiere, unseren Planeten und uns selbst. Dabei wissen wir es bereits so viel besser und haben das Privileg, ethische, nachhaltige und gesunde Alternativen zu erschaffen und zu wählen.

Mit den Worten von T. S. Eliot: „After such knowledge, what forgiveness?“ – können wir mit all diesem Wissen noch Vergebung erwarten?

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