Geschuppt, gefiedert, gequält

Schweine erinnern uns an den Familienhund, Kühe haben so einen herzerweichenden Blick, Lämmer sind unbestreitbar niedlich … Wenn Menschen sich dazu entscheiden, ihre Ernährung umzustellen, werden diese Tiere oft als erstes verschont.

Das ist gut gemeint und kann ein erster Schritt sein – die vermeintlich niedlicheren Säugetiere auf dem Speiseplan aber durch Hühner und Fische zu ersetzen, verlagert das Problem nur. Denn auch diese Tiere müssen für den menschlichen Konsum unendliches Leid ertragen.

Dead chicken on the floor at a farm in the UK
Foto: Animal Equality

Fische

Tatsächlich wissen wir nicht einmal genau, wie viele Fische jedes Jahr für unseren Konsum getötet werden. Denn sie werden in so großen Mengen geschlachtet, dass wir Menschen sie in Gewicht und nicht als Individuen bemessen.

Häufig ist es nicht einmal möglich, zwischen den verschiedenen Arten zu differenzieren – meist sind in einer Statistik alle kommerziell gefischten Wasserbewohner zusammengefasst. So werden jährlich weltweit etwa 96 Millionen Tonnen freilebende Fische und andere Meereslebewesen gefangen. Hinzukommen die Tiere, die nicht freilebend sind, sondern in den sogenannten Aquakulturen eigens für den menschlichen Verzehr gezüchtet und herangezogen werden. Etwa 82 Millionen Tonnen von ihnen werden jährlich bereitgestellt.

Fish suffocating
Foto: Alex Prolmos | Creative Commons

Auf den ersten Blick mögen Aquakulturen nachhaltiger wirken, da sie weniger zur Überfischung und Zerstörung der Meere beitragen als die industrielle Fischerei. Tatsächlich können sie aber eine Bedrohung für die bestehenden Ökosysteme sein: Aquakulturen brauchen Platz und selbstverständlich reichlich Wasser. Häufig wird sich dafür an natürlichen vorkommenden Ressourcen bedient, sodass die gezüchteten Fische den natürlich vorkommenden Wasserbewohnern die Lebensräume streitig machen.

Zudem gelangt verunreinigtes Abwasser aus den Aquakulturen in andere Gewässer – und mit ihm Krankheitserreger, Parasiten oder auch immer wieder Fische, die eigentlich gebietsfremd sind. So werden fein ausbalancierte Ökosysteme schnell aus dem Gleichgewicht gebracht.

Doch nicht nur Flora und Fauna der Umgebung, auch die Fische in den Aquakulturen selbst leiden. Teilweise sind Hunderte oder sogar Tausende von ihnen in einem Becken oder Teich zusammengepfercht, ein idealer Nährboden für Krankheiten und mitunter fleischfressende Parasiten. Außerdem leiden die Fische häufig, wenn die Wasserqualität minderwertig ist. Temperatur, PH-Wert, Sauerstoffgehalt – all das in Balance zu halten ist kompliziert. Schnell können die Werte umschlagen und das Wasser für die Tiere unbewohnbar machen. Im schlimmsten Fall sterben so sämtliche Fische einen qualvollen Tod, bevor überhaupt eingelenkt werden kann.

Diejenigen von ihnen, die lange genug überleben können, müssen ihr Leben schließlich wie alle anderen landwirtschaftlich genutzten Tiere bei der Schlachtung lassen. Deutschland ist eines der wenigen EU-Länder, in der eine Betäubung der Fische vor der Tötung vorgeschrieben ist. Dies kann durch einen Elektroshock, einen Schlag auf den Kopf oder durch Betäubungsmittel geschehen, die dem Wasser zugegeben werden können. Wie bei Säugetieren und Vögeln kann es jedoch auch bei Fischen zu Betäubungsfehlern kommen, die den Tieren mehr Leid zufügen als sie ersparen.

Hühner

Unter den Landtieren sind Hühner die traurigen Rekordhalter in Sachen Schlachtzahlen – allein im Jahr 2020 wurden in Deutschland 656 Millionen von ihnen getötet. Darunter sowohl Hennen, die für die Eiproduktion genutzt wurden, als auch Hühner aus der Mast.

Zum Vergleich: Insgesamt wurden 759 Millionen Landlebewesen in deutschen Schlachtbetrieben getötet. Hühner machen also mehr als 85 Prozent von ihnen aus.

Chickens - Photo credit Glass Marbles on Visual Hunt CC BY
Foto: Glass Marbles | Visual Hunt

Bis zu ihrem Tod müssen sie widrige Haltungsbedingungen und Schmerzen ertragen. Sowohl die Tiere in der Mast als auch die in der Eierindustrie sind stark überzüchtet – die einen sollen möglichst schnell möglichst groß werden, die anderen möglichst viele Eier legen. Die Gesundheit der Tiere ist dadurch schon längst in den Hintergrund gerückt. Sie leiden unter schmerzhaften und teils tödlichen Erkrankungen – viele von ihnen überleben nicht einmal bis zu ihrer Schlachtung. Doch für die Industrie ist es günstiger, sie einfach durch neue Tiere zu ersetzen, statt sich um bessere Haltungsbedingungen zu bemühen oder bei der Zucht Kompromisse zugunsten der Gesundheit der Hühner zu machen.

Die Haltungssysteme, in denen die Tiere leben, werden ihren natürlichen Bedürfnissen in keiner Weise gerecht. Gitterböden verletzen ihre Füße, verschmutzte Böden und Ammoniakgase verätzen Haut und Atemwege, aus Langeweile picken und verletzen sich die Hühner gegenseitig, die Enge sorgt für oft blutige Konflikte … Und auch ihre letzte Reise, der Transport zum Schlachtbetrieb und ihr dortiger Tod, ist mit unsäglichen Qualen verbunden.


Der Ersatz von Schweine- oder Rindfleisch durch Huhn und Fisch erspart also keineswegs Leid – im Gegenteil. Allein durch den Größenunterschied der Arten müssen so noch mehr Tiere als zuvor sterben. Tiere, die in besonders intensiven und industrialisierten Systemen leben müssen und dadurch stark leiden.

Es sei denn, man steckt in den 1800er Jahren fest und glaubt immer noch, dass Vögel und Fische keinen Schmerz empfinden. Diese Annahme wurde so oft widerlegt, dass selbst Leute, die sich immer noch darauf berufen, eigentlich wissen sollten, dass sie sich damit selbst belügen. Wer Empathie für Kühe, Schweine oder Schafe empfinden kann, sollte diese auch Hühnern und Fischen aufbringen. Egal ob Fell, Borsten, Schuppen oder Federn – alle Tiere sind zu Gefühlen fähig und haben unseren Schutz verdient.

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Quellen und weitere Infos:

FAO: The State of World Fisheries and Aquaculture 2020
BUND: Aquakultur – ja, aber bitteschön nur nachhaltig!
Albert Schweitzer Stiftung: Fische in Aquakultur
Albert Schweitzer Stiftung: Fische (wild)
Albert Schweitzer Stiftung: Schlachtzahlen 2020: fast 4 Mio. Tiere weniger
Albert Schweitzer Stiftung: Masthühner
Albert Schweitzer Stiftung: Legehennen

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