Wie Fischbrötchen und Co. die Meere zerstören

Das menschliche Konsumverhalten bedroht unsere Ozeane und ihre Artenvielfalt.

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Foto: Unsplash

An der Küste von Oaxaca, Mexiko, wurden im Jahr 2018 300 gefährdete Schildkröten tot aufgefunden: Sie wurden Opfer eines herrenlosen Netzes aus der industriellen Fischerei. Nur wenige Wochen zuvor starben Hunderte von Schildkröten, Fischen, Krabben, Seekühen und sogar ein acht Meter langer Walhai durch giftige Algen – das Ergebnis von Lecks in Landwirtschaftsbetrieben, deren giftige Brühe über den Mississippi in den Ozean gelangte.

Wie beeinflussen wir Menschen die Ozeane?

2018 haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum ersten Mal „wilde“ Gebiete in den Weltmeeren kartiert: Dabei fanden sie heraus, dass nur 13 Prozent der Ozeane noch als „Wildnis“ eingestuft werden können – also als Gebiete, die nicht durch Fischerei, Verschmutzung oder Schifffahrt gestört sind.

Nur sehr wenige Küstengebiete erfüllen diese Kriterien. Selbst Korallenriffe, die normalerweise artenreiche Lebensräume sind und unzähligen Meeresbewohnern als Heimat dienen, konnten selten noch als Wildnis eingestuft werden. Die meisten unberührten Gebiete liegen in der Arktis, der Antarktis und rund um pazifische Inselnationen, wo die menschlichen Aktivitäten begrenzter sind. Aber solche Rückzugsorte der Natur verschwinden schnell rund um den Globus.

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Foto: Blue Ocean Network

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Wildlife Conservation Society zufolge sind die industrielle Fischerei sowie Abfälle und Chemikalien aus der Massentierhaltung die größten menschlich verursachten Bedrohungen für unsere Ozeane. Hinzukommt die immense Plastikverschmutzung, die zu etwa 46 Prozent durch Fischernetze und anderes Fangwerkzeug verursacht wird. Diese Belastungen stören das Ökosystem der Meere und erschöpfen zudem ihre Ressourcen.

Um unsere Ozeane retten zu können, müssen wir Menschen aufhören, zu ihrer Verschmutzung, der Störung ihrer Ökosysteme und dem Rückgang ihrer Arten beizutragen.

Industrielle Fangmethoden

Jedes Jahr werden Schätzungen zufolge etwa 2,7 Billionen Fische von Fangflotten aus dem Meer gezogen: Eine Billion ist eine Zahl mit 12 Nullen und kaum mehr gedanklich erfassbar. Doch dafür ist das Verschwinden der Tiere sichtbar: Von 10 Thunfischen, Haien und anderen großen Raubfischen, die vor 50 bis 100 Jahren noch durch unsere Meere schwammen, ist heute nur noch einer übrig. Wenn wir weiterhin mit diesen Methoden fischen, sagen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den totalen Zusammenbruch aller Fischarten in weniger als 50 Jahren voraus.

Fast alle Fische und andere Meerestiere, die wir essen, werden mit Langleinen, sogenannten Baumkurren oder Grundschleppnetzen gefangen. Letztere werden über den Meeresboden gezogen und sammeln alles und jeden auf, der ihren Weg kreuzt. Bei der Langleinenfischerei werden bis zu 150 Kilometer lange Leinen mit Tausenden von Haken ausgeworfen, an denen sich ebenso wahllos jede Art von Meeresbewohner verfangen kann.

Es sterben also nicht nur die unglücklichen Fische, die anschließend kommerziell verwertbar sind. Auch unzählige andere Meeresbewohner – von Wal über Meeresschildkröte bis hin zu Albatros – fallen der industriellen Fischerei zum Opfer. Diese unbeabsichtigt gefangenen Tiere werden als „Beifang“ bezeichnet. Sie werden oft tot oder aber auch verletzt und sterbend ins Meer zurückgeworfen. Auf diese Weise sterben jährlich etwa 100 Millionen Haie und bis zu 300.000 Wale, Delfine und Schweinswale als Beifang, als einkalkuliertes „Nebenbei“.

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Foto: Jordi Chias

Veränderungen sind möglich

Nicht nur der Fisch-, auch der Fleischkonsum hat enorme Auswirkungen auf unsere Ozeane. Abfälle aus der industriellen Tierhaltung und Düngemittel wie Gülle verschmutzen unsere Flüsse und infolgedessen auch unsere Küstengewässer.

Die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) berichtet, dass bereits mehr als die Hälfte aller Flüsse in den USA ungeeignet für Wasserlebewesen sind. Grund dafür ist zum Großteil eine Nährstoffverschmutzung und Überdüngung, die durch die industrielle Landwirtschaft verursacht wird. So bringt der Mississippi, das Hauptentwässerungssystem des Kontinents, erhebliche Mengen an Düngemitteln, organischem Stickstoff und Phosphor aus Gülle in den Golf von Mexiko. Die Folge: die größte sogenannte hypoxische Zone der Welt – eine tote Zone im Meer.

Tote Zonen sind Meeresgebiete, in denen es normalerweise von Leben wimmeln würde – aber durch negative Einflüsse wie Verschmutzung wandern die Meereslebewesen von dort ab oder versterben. Die Tote Zone im Golf von Mexiko erstreckt sich derzeit über mehr als 22.650 Quadratkilometer. Eine Wasserfläche, die größer ist als jene, die von der BP-Ölpest betroffen war und eine der größten Umweltkatastrophen in der Geschichte der USA.

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Foto: National Ocean Service (NOAA)


Es gab eine Zeit, in der wir uns keine Gedanken über unseren exzessiven Gebrauch von Plastiktüten, Strohhalmen und Flaschen gemacht haben – aber allmählich beginnen wir, diese Produkte als schädlich und unnötig zu betrachten. Unsere Gesellschaft bemüht sich, zu recyceln und so wenig Einwegplastik wie möglich zu nutzen. Nun müssen wir anfangen, unseren Fisch- und Fleischkonsum auf dieselbe Weise zu überdenken.

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